Medien und Gesellschaft

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Medien – Was heißt das?

Freie Medien sind charakteristisches Kennzeichen von offenen Gesellschaften zur Kommunikation und Meinungsbildung.
Das heißt, sie bedingen und beeinflussen soziale Prozesse.

Massenmedien haben sechs Hauptfunktionen

  1. Informationsfunktion
  2. politische Funktion
  3. soziale Funktion
  4. Unterhaltung, Entspannung
  5. Bildung, Lernen
  6. ökonomische Funktion

Sie dienen der Sozialisation, Orientierung, Integration und Unterhaltung. Gleichzeitig prägen sie die öffentliche Meinung und beeinflussen uns in unseren Entscheidungen. Das Internet wird maßgeblich dem „Sozialen Wandel“ zugeschrieben, da es neue Formen der Dynamik, Beteiligung und vor allem der Kommunikation bietet. Das Fernsehen erreicht von allen Medien mit 90% die meisten Haushalte in der Bundesrepublik. Der deutsche Zuschauer hat Zugriff auf rund 40 Programme.
2,5 Std. täglich schaut der Deutsche Fern.
Mit 329 Tageszeitungen, 25 Wochenzeitungen und 7 Sonntagszeitungen mit einer Gesamtauflage von rund 31 Millionen gehört Deutschland zu den Ländern mit der dichtesten Verbreitung auf der Welt. Auf 100 Einwohner kommen 20 Zeitungen pro Tag. Das Zeitschriftenangebot ist breit gefächert (rund 20.000 verschiedene Titel) bei einer Gesamtauflage von 200 Millionen. Allein die Publikumszeitschriften kommen auf über 750 Titel mit einer Gesamtauflage von 125 Millionen Exemplaren in der Woche. Vier Großverlage, Springer, Gruner + Jahr, Burda und Bauer beherrschen mit über 60% gegenwärtig den deutschen Markt. Sie erzielen Netto-Werbeumsätze von rund 3,5 Milliarden Euro jährlich.

Massenmedien in Deutschland

„Wer gewinnt die Schlacht der Bilder? Die zweite Front: Medien im Krieg.“
- Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 25. März 2003

Sie begleiten uns vom Aufwachen bis zum Einschlafen. Den Frühaufsteher wie den Schlaflosen. Das Kind, bevor es lesen und schreiben lernt wie den Hochbetagten im Seniorenheim. Am Frühstückstisch, hinter dem Steuer auf dem Weg zum Arbeitsplatz, am Schreibtisch wie im Wohnzimmer. Auf der Geschäftsreise wie in der Stammkneipe. Sie bestimmen oft den Tagesablauf in der Familie und unser Bild von der Welt. Massenmedien sind jederzeit präsenter Teil unseres Lebens. Sie machen die Sieger und Verlierer, die kollektiven Helden, Superstars und Publikumslieblinge, produzieren Mythen, Hoffnungen und Ängste. Massenmedien gestalten unser Leben und füllen durch ihre allgegenwärtige Präsens den öffentlichem Raum. Messlatte ist die Einschaltquote oder die Auflage.

Sie entscheidet auch über die Stars innerhalb der Medien:
die Moderatoren, Journalisten die besten Sendezeiten und ihre Publikumslieblinge. (Die meisten Preise werden von den Medien verliehen: Sportler d. Jahres, Bambi, usw.) An ihnen orientieren sich die Wirtschaftsunternehmen mit ihren Werbe- und Sponsorengeldern, mit Bilanz- und Pressekonferenzen, die Politiker mit Inhalt und Timing ihrer Botschaften, die Sportverbände und Kulturschaffenden.
Sogar Terroristen mit geschickter Dramaturgie (11. September 2001) zu den besten Sendezeiten.

Durch...

  1. ...die Massenmedien gewinnen sowohl weit entfernte Ereignisse (Armut, Hunger, Not, Krieg, Katastrophen) wie auch z. B. bisher wenig beachtete Sportarten und bisher unbekannte Künstler Bedeutung und Aktualität
  2. ...euphorische Berichterstattung und zusätzliche Sendezeiten dringen sie ins öffentliche Bewusstsein und lösen Millionen begeisterter Nachahmer und Fans aus.
  3. ...die Verknüpfung mit beliebten Stars und Künstlern werden sowohl erfolgreich neue Aktien platziert (Telekom/Manfred Krug) als auch Parteiprogramme transportiert (SPD/Günter Grass).

Zeitungen, Zeitschriften, Radio, Fernsehen und Internet transportieren Ereignisse, Geschichten und Menschen, machen sie zu Helden oder Bösewichtern – zu Kultpersonen als vielseitig ausdeutbare Symbolhülle. Im Zuge der massenmedialen Vermessung des öffentlichen Raumes oder Politaresiments und Mediokratie steigt der Verbrauch von Zeichen und Symbolen, von Helden und Mythen exorbitant an. Programmdirektoren und Kommentatoren sind so gesehen Kultmanager. Sie stimulieren den Mythos (Christian Schüler).

Massenmedien kann man in unserer globalen Welt – wie alle Bereiche unseres Lebens – nicht isoliert betrachten. Sie fließen durch ihre aktuelle Berichterstattung ein in das öffentliche Bewusstsein bzw. beeinflussen sie die öffentliche Meinung. Durch die weltweiten Kommunikationsnetze und das Internet ist die Verbreitung von Informationen, Daten und Bildern fast zeitgleich, der sogenannten „Echtzeit“, von den entlegensten Orten unserer Erde in jedes Wohnzimmer des postmodernen Menschen (immerhin ein Drittel der Erdbevölkerung) möglich und macht damit die Welt zum „Global Village“ (Mc Luhan). Niemanden lässt es deshalb unberührt, was an einem anderen Ort auf der Welt geschieht. Ein fünfzehn Minuten Kamingespräch des US-Präsidenten mit einem deutschen Oppositionspolitiker im Weißen Haus findet am gleichen Tag seinen Niederschlag in den Kommentaren der deutschen Presse und löst Unruhe in Berlin aus. Bilder von Erdbebenkatastrophen aus China im Fernsehen lösen am gleichen Tag spontane Spendenaktionen in vielen Teilen der Welt aus.

„Zum Regieren brauche ich nur Bild und Glotze“,
soll der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder in seiner Regierungszeit gesagt haben. Der Politikwissenschaftler Thomas Meyer drückt das anders aus: „Politik wird heute nicht mehr gemacht. Sie wird simuliert als theatralisch inszenierte Selbstdarstellung. Denn wir leben in einer Scheinwelt.“ Die Wirkungsmacht der Medien ist der entscheidende Faktor. Ihre Gesetze bestimmen den Ablauf. Politiker werden dabei zu „Politikgestalten“ und produzieren „Politainment“, eine Mischung aus Politik und Unterhaltung. Parteitage, Talkrunden und Interviews geben fast täglich überzeugende Beispiele dafür: Politik und Medien sind dabei aufeinander angewiesen. Sie werden zu Komplizen. Statt Politik herzustellen beobachten die Politiker das Mediensystem, um genau zu studieren, welche Filtersysteme wirken. Dann wenden sie diese Regeln selbst an. Sie unterwerfen sich mit großem Aufwand dieser Selbstmedialisierung und werden selbst zum Produkt. Diese Politik macht den größten Teil aller politischen Tätigkeiten aus und äußert sich in vielen Scheinhandlungen und Symbolhandlungen. Die meisten Politiker kennen diese Wirkungsgesetze sehr genau und lassen sie professionell planen, ausführen und analysieren.

Folgen dieser Politik

Anstelle von Diskursen treten gestaltete Augenblicksmeinungen, orientiert an Umfragen (z.B.: Sonntagsfrage). Meinungsströme werden festgehalten und in politische Strategien verwandelt. So entstehen permanente Gelegenheitsstrukturen und Populismus. Diskurse werden dadurch marginalisiert. Die Demokratie über die Medien findet so nicht statt.

Medien fressen ihre Kinder

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Aus Opfern werden Täter und umgekehrt. Mit fatalen Folgen, wie die sogenannten Hexenjagden Volker Zastrow in FAZ vom 11.06.2003) am Fall Möllemann und auch Barschel zeigen. Hier sind nicht nur die Boulevardpresse, sondern auch sehr seriöse Redaktionen beteiligt. Der Schritt von Richtig zu Falsch, von Gut zu Böse ist klein. Das ist an sich das normale (polarisierende) Element des politischen Prozesses, die „moralische“ Dimension des Diskurses. Das außer Kraft zu setzen dieser Dimension, liegt in der erbarmungslosen Logik der Hexenjagd. Der Betroffene erlebt den schlagartigen Verlust seiner körperlichen Existenz und seines Ansehens. Die Vernichtung der Sozialität, das Ausstoßen aus der Gemeinschaft, ist einer der schwersten Angriffe auf das Sozialwesen Mensch. Hier lauert eine der folgenreichsten Gefahren des Missbrauches der Massenmedien. In diesem Kontext wird Medien-Demokratie zur Mediokratie. Denn der Diskurs der an der öffentlichen Meinungsbildung beteiligten gesellschaftlichen Gruppen wie Parteien, Verbänden, Organisationen, Gewerkschaften und Kirchen kann sich gar nicht erst in Richtung eines Konsenses entwickeln. Er erreicht vielmehr eine populistische orientierte Inszenierung derer, die ihren Informationsvorsprung und die Strukturen der Massenmedien nutzen, um ihre Botschaften im Bewusstsein der Menschen ,festzumachen‘: Zustimmung oder Ablehnung, Krieg oder Frieden, Gewinner oder Versager, Helden oder Schurken. „Nicht das Geschehene, das Geschaute prägt uns“, so Marion Dönhoff, Publizistin und Herausgeberin ,Der Zeit‘ (gest. 2002). Kritische Distanz ist angebracht um die Realität zu erkennen hinter dem, was wir hören, lesen, sehen. Die Versuchung, unsere Medien zu Mediokratie zu missbrauchen ist groß und wird leider oft genutzt zum Schaden der Zivilgesellschaft. Er zwingt geradezu alle Beteiligten zu einem kritischen, werteorientierten, eigenverantwortlichen Umgang.

Medienpolitik

Information ist eine entscheidenden Ressource für gesellschaftliche Prozesse. Die sozialen Netzwerke spielen in der Medienbranche eine grundlegende Rolle für weitere Funktionen in unserer Demokratie, da sie für die Bürger zunehmend wichtiger werden. In Deutschland und fast allen europäischen Staaten herrscht Meinungsfreiheit. Unter Medienpolitik versteht man alle Regelungen, die für die öffentliche Kommunikation gesetzlich vom Staat entwickelt werden (bzw. freie Meinungsäußerung, ungehinderte Informationsbeschaffung, Schutz der Privatsphäre). Neue Regelungen für Kinder- und Jugendschutz oder Wahrung der Menschenwürde, müssen im Rahmen der Digitalisierung (Internet) getroffen werden. Die heutige Medienlandschaft und die fortschreitende Digitalisierung ist vielfältiger und für viele Verbraucher gleichermaßen unübersichtlich geworden. Für die moderne Gesellschaft bedeutet dies eine nachhaltige Veränderung der kulturellen, sozialen und ökologischen Grundlagen. Folglich ist es also richtig, sich über aktuelle Medienpolitik zu informieren und sie mitzubestimmen. Ein Beispiel gegen die öffentliche Meinung im Internet ist u.a. die ACTA (= Anti-Counterfeiting-Trade-Agreement). Ein multilaterales Abkommen, das internationale Standards beispielsweise im Kampf gegen Produktpiraterie und Urheberrechtsverletzungen sowie für die Durchsetzung geistiger Eigentumsrechte vorschlägt. Das heißt die Regulierung der Meinungsfreiheit im Internet in die Hände privater Unternehmen zu legen, wodurch Internet-Provider gezwungen sind, private Online-Inhalte zu überwachen. Durch das Abkommen sollen Produktpiraterie beseitigt sowie dauerhaftes Wachstum und die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Volkswirtschaften gewährleistet werden. Viele Länder wie Korea, die Schweiz aber auch Deutschland, lehnen das ACTA-Abkommen ab. Im Deutschen Presserat e.V. haben sich die deutschen Verleger und Journalistenverbände zur Lösung von Beschwerden, Verstößen und Streitfragen zusammengeschlossen. Seine Arbeit orientiert sich an ihren gemeinsamen Publizistischen Grundsätzen (Fassung: 02.03.2005).

Der Mensch online

Das Internet – Die neue Kraft

Unter der Headline „Das Denken und die Digitalisierung“ vom 24.01.2011, beschreibt die Autorin Mercedes Bunz in der FAZ die dritte Revolution der Information: Das Internet.
Die neuen Mächte darin sind:

  • Google
  • Facebook
  • Wikipedia
  • Twitter
  • Youtube
Folgen für unsere Gesellschaft
  • neue soziale Räume
  • neue virtuelle Communities
  • neue gesellschaftliche Kräfte in Politik (Piratenpartei), Konsum (iPhone), Medien (Informationsbeschaffung) und Finanzmärkten (automatische Börsenhandelssysteme)

Es gibt keine Geheimnisse mehr!

Der Informatiker und Bestsellerautor Daniel Suarez sagte im Interview mit der FAZ vom 30.04.2011: „Wir werden mit System erobert.“

Die Folgen

Die Gesellschaft verändert sich zu einem Meinungspuzzle

  • die Medienlandschaft verändert sich von Print zu elektronischen Medien (Print-to-Web)
  • die Menschen ändern ihr Leseverhalten (5,5 Stunden täglich vor dem Computer verbringen Jugendliche bereits ab der 6. Klasse)
  • Meinungsbildungsprozesse beschleunigen sich
  • Bilder und Daten werden in Echtzeit verbreitet, und das weltweit
Die Folgen für die Werbung
  • Jederzeit aktueller Markt mit schnellen Reaktionszeiten
  • Besonders präzises Marketinginstrument
  • Genaue Erfolgskontrolle möglich